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Kampf gegen die Pfunde

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    Die Katastrophe ist eingetreten. Sie kam ohne seismographische Ausschläge, quasi über Nacht. Vorzeichen gab es schon, ganz zarte, ich habe sie nur in meiner arglosen Selbstzufriedenheit nicht richtig gerallt. Dieses flache Personenquäl-Instrument mit der KG-Skala, wurde in letzter Zeit beägstigend oft besucht. Von meiner Präsidentin!
    Und nun eröffnet sie mir, jetzt sei endgültig Schluß mit der Völlerei! Und auch mit dem Alkohol! Der habe nämlich unheimlich Kalorien. Ich war nun bisher der Meinung, der hätte nur führerscheingefährdende Prozente namens Alkohol. Aber, na ja, wenn sie schon so aufgebracht ist, lieber keine Diskussion anfangen, keine Widerworte, ganz sachte ran an die Sache: "Liebling, gehst Du wieder zu den Weight Watchers?"
    Das ist nämlich erwiesenermaßen die für mich angenehmste Wendung in diesem Schicksalsdrama. Dann geht sie nämlich zu den anderen, viel fetteren Tanten, raus aus dem Haus, und ich kann mir zuhause was Schönes, Knuspriges in die Pfanne schmeissen. „Nein“, sagte sie, „Du weißt doch, wie die mich damals gemobbt haben, weil ich doch noch die Dünnste in der Gruppe war“.
    „Aber jetzt“, sage ich, „3 Kilo weiter, sollten die Dich doch akzeptieren“. „Das denk Du nur“, sagt meine Holde. „Ich hab es tatsächlich vorgehabt, bin dann gegenüber vom Treffpunkt dieses Ordens mit Opernglas in Stellung gegangen und, Du wirst es nicht glauben, die haben doch glatt noch mehr zugelegt, als ich! ALLE!“
    Nun ziehe ich die für mich zweitbeste Karte: „Gut, Schatz, dann kaufen wir eben die neueste Brigitte-Ausgabe mit ebendieser Diät (die nehmen nämlich wirklich ab, Seitenzahl gegenüber Kaufpreis)!“ Mein Vorteil: Da gibt es tatsächlich manchmal was ganz Vernünftiges auf dem Teller. Mir ist nur unangenehm in Erinnerung geblieben, daß während dieser Abspeckphase das alte Keramikporzellan mit den abgestossenen Ecken und dem viel geringeren Durchmesser zum Einsatz kam. „Nein“, sagt die Präsidentin, „das hat doch schon damals zu nichts geführt. Und jetzt dann noch Geld ausgeben für die teuren Bücher. Nein!“
    Na, dann eben Trennkost! Ich hab zwar liebend gerne Pommes zum Schnitzel, dann noch Erbsen und eine schöne Soße dabei, aber die Kohlenhydranten mittags und das Fleischzeugs am Abend, geht halt auch. Aber denkste! Die Präsidentin zeigt Humor: „Die Trennkost ist mir doch damals so auf den Magen geschlagen und außerdem ist die schon ab dem Mittelater so vielen Leuten gar nicht bekommen: Störtebecker, Anna Boleyn, Maria Stuart, Marie Antoinette und auch deren Gatten Louis dem Xxxten.
    Ich mache jetzt, nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit, eine radikale Diät bis zum endgültigen Erfolg: morgens eine Scheibe Brot, mittags Gemüsesuppe und abends einen kleinen Salat. Du wirst sehen, nach spätestens 6 Monaten passe ich wieder in alle meine Kleider!“
    Meine schlimmsten Befürchtungen wurden damit weit übertroffen. Und so regt sich doch heftiger Protest in einem fragendem „und ich“?
    „Ach mein Mausebärchen“, flötet sie, „Du kannst Dir ja morgens Marmelade oder Honig aufs Brot streichen. Und Du wirst sehen, wie gut Gemüsesuppe schmeckt, wenn ich sie mit Liebe koche. Den Salat kannst Du dann, wie gewohnt, mit Fetawürfeln aufpeppen. Seitdem Du das machst, hast Du ja beim Anblick der Salatschüssel nie mehr „muuuuh“ gerufen.“
    „Nein“, denke ich, „dann eher „mää-ä-ä-äh“ bei dem weiß-grün-Mischungsverhältnis von etwa zwei zu eins“.
    Ich nahm also meine Opferrolle an und betete leise, daß in nächster Zeit wenigstens so einige runde Geburtstage, andere Familienfeste oder sonstige unverhoffte Essenseinladungen ins Haus stünden. Denn mittags heimlich rausschleichen und ins Steakhaus einfallen, das ist in unserer Präsidialdemokratie unmöglich. Meine Präsidentin habe ich halt einmal gewählt und das auf Lebenszeit. Und sie kennt Ihre Machtbefugnisse sehr genau.
    Eine unbeobachtete Inventur im Kühlschrank bestätigte das mir bevorstehende grausame Schicksal: Keine Butter mehr, sondern ein Plastikbecher, verdächtig gelb-grün gehalten, mit einer blaßgelben Creme im Inneren. Dann diverse Behälter mit irgendwelchen Unweltsiegeln. Aufschnitt Fehlanzeige, Käse wie Wurst glänzten voll mit Abwesenheit. Im Voratsschrank dann eine bunte Mischung von Gläsern (Tüten gibt es wegen gewisser krabbeliger Eindringlinge nicht mehr) mit Aufschrift wie „Demeter“ oder „Frisch vom Gutshof“. Auch die Milchtüte mit vollentrahmten Inhalt trug die Aufschrift „Bio-Bio“. Also, Leute, wenn ich aus meiner Haut könnte und so ‚ne Lebensmittelmotte wäre, das sterile Zeug würde ich nieeee anknabbern!
    Es wurde schlimm, sehr schlimm! Die Essenseinladungen blieben so völlig aus, daß sich bei mir der Verdacht regte, mein Frauchen habe da hinter meinem Rücken heimlich gegengesteuert. Außerdem wurde so gut wie jeder meiner Ausreißversuche mit äußerst fadenscheinigen Argumenten abgeblockt. Es war bald schon völlig ersichtlich, wer abnahm: ICH!
    Dann nach 14 harten Tagen ein Silberstreif am Genußhimmel: „Schatz, spendierst Du mir auch ein kleines Glas Roten. Ich kann das nicht länger mit ansehen, wie Du diese schönen Tropfen so ganz allein in Dich hineinschüttest!“
    Hopplalala! Jetzt keinen Fehler machen, da muß der Beste ran, Bordeaux und wenigstens 12 Jahre alt. Möglichst noch mit fröhlichem Etikett wie der Angelus, der Clerc Milon oder der d’Armailhacq. Das kann ich mit meinen Weinvorräten zwar nicht lange durchhalten und Neukäufe solcher Granaten scheiden aus Preisgründen total aus. Aber ein paar Tage solcher Lockvögel, mal sehen!
    Und tatsächlich, plötzlich war wieder Butter im Butternapf. Und Schatzi meinte, „Du nimmst mir zu sehr ab, schau mal, wie deine Hose schlottert“. Klaro, hehe, habe ich doch zum Erreichen dieser Einsicht jeden Tag den Gürtel um eine Position geweitet und dazu noch ständig meinen Bauch eingezogen, solange ich unter Beobachtung weilte.
    Das war ganz schön anstrengend, aber es half. Am nächsten Tag gab es wieder Magerkäse und Rauchfleisch, das wurde dann bald schon von Emmentaler und Salami abgelöst. Egal, wie es weitergehen wird, das Muster kenne ich, die Fastenzeit geht mal wieder vorbei. Und Schatzi bleibt die alte! Eine Pfundsfrau!

    Copyright by frifix, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind äußerst erwünscht und sogar sehr wahrscheinlich!
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