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Wein als Anlage

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    Bisher hat sich noch niemand hier auf Cashkurs über Weine als Anlageform ausgelassen.
    Ich sehe dafür mehrere Gründe:

    1. Es bedarf da einer gewissen weinaffinen Kennerschaft.
    2. Beim Kauf regieren hier nur Preis und Verfügbarkeit
    3. Der Markt ist vom Volumen her äußerst begrenzt.
    4. Es gibt keine Wetten (so nennt D.M die Leerverkäufe)

    Der Weinmarkt befindet sich noch im Besitz der Erzeuger und der speziellen Weinhändler. Und es sieht so aus, als ob sich nichts daran ändern wird, dass man als Weinkäufer nur über die speziell dafür etablierten exclusiven Händler zur Flasche kommt. Seit einigen Jahrzehnten auch über Internet.
    Als Wertanlage sind fast ausschliesslich Bordeauxweine zu empfehlen, in zweiter Linie hochkarätige US-amerikanische, italienische und spanische Tropfen.

    So gut wie alle anderen Weinerzeuger und -Vertreiber bedienen fast ausschliesslich den trinkfreudigen Kunden und nicht den Anleger.
    Im Folgenden spreche ich nur vom Marktdominator, dem Bordeaux-Wein!
    Der anlageorientierte Weinkenner kümmert sich kaum um den eigenen Geschmack, sondern er hört auf Leute wie (alphabetisch) Gabriel, Gerstl, Lobenberg, Parker, Penin, Sutcliffe und weitere, welche alle bedeutenden Weine im noch ziemlich spröden, grünen Zustand im Frühjahr nach der Ernte verkosten und bewerten. Der Amerikaner Robert M. Parker ist dabei so etwas wie der Papst dieser Glaubenskongregation.
    Nach Anfangsjahren meiner Trinkerkarriere mit ziemlich süßen, aber stets hervorragenden Moselweinen bin ich dann etwa 1985 auf rote Reben umgestiegen und habe den Bremer Löwenhof der Familie Segnitz als Einfalltor zum nun trockenen Rotweinerlebnis auserkoren. Berater wurde hierbei das von diesem Familienunternehmen jährlich herausgegebene "Kollegbuch des Weins".
    Einige Jahre später mit den Traumjahrgängen 1989 und 1990 begann ich mit dem inzwischen erlangten Wissen um die Kostbarkeit, Lagerfähigkeit und stete Preissteigerung der gut benoteten Bordeaux-Weine diese Tropfen kistenweise und weit über die Möglichkeiten des Eigenverzehrs "en primeur" zu ordern. Die Eigenart des Primeurbezuges bringt es mit sich, dass man im Vertrauen auf oben genannte Verkostungsexperten und unter Anleitung diverser Anbieter ein gänzlich unbekanntes Getränk meist in 12 Flaschen umfassenden Holzkistchen bestellt, das noch etwas unfertig in den sogenannten Barriques vor sich hin schlummert. Barriques sind die Eichenholzfässer mit je 225 Litern Inhalt, in denen der Bordeaux zur Genussreife herangezüchtet wird und erst etwa eineinhalb Jahre später in Flaschen verfüllt und danach ausgeliefert wird. Das Primeurgeschäft verschafft auf diese Weise dem Endabnehmer einigermassen günstige Preise, das Risiko besteht nun darin, dass die Vorhersagen der Weinapostel bezüglich Qualität und Lagerfähigkeit hoffentlich auch eintreffen und so eine günstige Preisentwicklung stattfindet. Und da lag ich mit meinen Einkäufen der o.g. Jahrgänge goldrichtig. Danach kamen schwache Jahrgänge, erst 1995 und 1996 gab es wieder Granaten an der Bordeauxfront. Allerdings war es nun aus mit der unbeschränkten Kaufgier. Russen, Chinesen, Japaner und weitere Bordeaux-Kaufnovizen mischten sich zu meinem Leidwesen brutal in die Käuferschar ein. Das sahen die Weinerzeuger natürlich auch und mit Hinblick auf die stark gewachsene Nachfrage sowie der Erkenntnis, dass die Winzer bei den früheren Jahrgängen so ziemlich die Deppen im Preisgefüge gewesen waren, kam es nun zu sehr erheblichen Preisaufschlägen der Produzenten. Die Institution der Direkthändler gab diese Preise unter Erhöhung ihrer bisherigen Margen natürlich ebenfalls weiter und fing an, den Sekundärhändlern in aller Welt wegen der eingetretenen Knappheit der "Hochgewächse" Kauflimits zu setzen. Der Endkunde nun konnte nicht mehr wochenlang die Angebote seiner Weinhändler vergleichen, um beim Günstigsten seine Kisten zu ordern, denn die besten der Tropfen waren nun in dieser neuen Zeitrechnung schon nach wenigen Tagen ausverkauft oder blieben sogar nur Kunden mit einer Art Treuebonus vorbehalten. Konsequenz war dann, dass Kunden, welche in einem minderen Weinjahr bei dem angepeilten Händler nicht subskribiert hatten, im darauffolgenden goldenen Jahr, wie z.B. 2003 oder 2005 keinen Zugang mehr zu den Perlen des Superjahrgangs erhielten. Somit habe ich, enttäuscht von diesem Procedere, mit dem Kauf des 2003er meine Primeuraktivitäten beendet. Es war aber ein grundsolides und sicheres Anlagegeschäft! Immer wenn die Reifezeit gemäß den Expertisen der Weinprofis dem Zenith zustrebte, brachte ich die auserwählten Kisten zu meinem Auktionsagenten in Bremen und habe zumindest dafür gesorgt, dass mein Privatverbrauch an nicht ganz so hochpreisigen Weinen für mich kostenlos und erfreulicherweise sogar steuerfrei vonstatten ging. Meine Leberwerte gestatten mir das wohl auch noch weiterhin, wie ja zusätzlich zu erwähnen wäre, dass Weintrinken und Alkoholsucht sich eigentlich ausschliessen. Alkies brauchen platteren und härteren Stoff. 2015 habe ich meine restlichen 50 Kisten zu meinem Auktionator transportiert und wie immer zuverlässig nach Auktionsende meine Rendite eingestrichen. Und weil es nach Abzug der Auktionsgebühren immer einen durchaus noch überschaubaren Betrag ergab, kann dieses mein Anlageengagement nur als Hobby bezeichnet werden.
    Einige Jahre später entdeckte ich in einer leicht verborgenen Ecke meines Weinkellers noch eine Kiste mit Chateau Latour 1996. Den hat ein Mitarbeiter meines Auktionshauses sogar hilfsbereit bei mir persönlich abgeholt. Der Erlös lag pro Flasche 0,75 Ltr bei 550 €, der Einkauf um 100 €. Wer trinkt Weine für ein paar hundert Euros? Ich nicht! Einige wenige wunderbare Chateau Leoville Barton 2004 warten noch auf das Ziehen des Korkens bei besonderen Anlässen. Mein 80.er naht!
    Nun lausche ich aber gespannt auf die Zeichen der Zeit. Die Klimahysteriker haben Abstand genommen von dem Menetekel der drohenden Klimaerwärmung und haben es in Klimawandel umgetauft. Grund dafür sowie für die nun losgeschickten Glaubensschüler um Gretl herum war halt, dass seit Jahren keine Klimaerwärmung mehr stattfindet und die Profite vor der wahrscheinlich bald eintretenden Kälteperiode gesteigert und gesichert werden müssen. Sollte es wirklich global kälter werden, da bin ich mir sicher, wird den Schellnhubers und Gretls sicher was Plausibles einfallen, die Menschheit mit neuen apokalyptischen Untergangsszenarien zu überfallen und zur Kasse zu bitten.
    Aber was für Jahrgänge wachsen dann für den Weingeniesser heran? Sollte sich jetzt nicht wieder ein umfangreiches, gezieltes Engagement lohnen, solange es noch diese super gereiften Tropfen gibt? Ich bin am Überlegen........

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