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Goldminen-Trade mit Option (Stillhaltergeschäft)

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  • Goldminen-Trade mit Option (Stillhaltergeschäft)

    Ich habe ja in der Vergangenheit schon diverse Male über Optionen geschrieben, aber noch nie etwas Konkretes aus meinem Handel gezeigt. Da die Edelmetalle auch auf Cashkurs wieder mehr in den Fokus rücken, möchte ich das mal zum Anlass nehmen und zeigen, wie ich aktuell Gold handele.
    Nach dem Rücksetzer und der Bestätigung der Unterstützung um 1.200 USD habe ich mal einen kleinen Trade gewagt, indem ich einen Short Put auf den NUGT verkauft habe.

    NUGT

    NUGT ist der Direxion Daily Gold Miners Index, ein ETF, der auf dem AMEX Gold Miners Index (GDM) beruht, in dem sich die üblichen Verdächtigen wie Goldcorp, Newmont Mining oder Barrick Gold befinden. Warum dieser Umweg? Nun, der GDM ist ein Index, der NUGT ein ETF - auf den ETF kann man Optionen handeln, auf den Index nicht. Das ist insofern nachvollziehbar, da eine Option das Recht beinhaltet, etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Und was sollte das bei einem Index sein?

    Die Option

    Als Option habe ich den NUGT Jul15'16 50 Put verkauft. Diese Optionsbezeichnungen sind ein wenig sperrig, aber eigentlich ganz einfach. Es ist ein Put, also eine Verkaufsoption. der Strike (Basispreis) beträgt 50 US-Dollar, somit berechtigt der Put den Inhaber, den ETF zu 50 USD/Stück zu VERkaufen. Und zwar von jetzt an bis zum 15. Juli 2016, in 44 Tagen. Da ich den Put verkauft habe, habe ich das beschriebene Recht verkauft. Ich weiß nicht an wen, ich werde es auch nie erfahren. Ich bin also verpflichtet, den ETF auf Wunsch des Optionsinhabers für 50 USD zu übernehmen. Da sich eine Option immer auf 100 Stück bezieht, beträgt mein maximales Risiko somit 5.000 USD pro Option. Das wäre dann der Fall, wenn sämtliche Goldminen im Index in 44 Tagen wertlos sein würden (der Index und somit auch der ETF auf Null), ich diese aber dennoch für 5.000 USD kaufen müsste.

    Die Prämie

    Der Inhaber der Option hat also ein Kursverlustrisiko an mich abgetreten, das übernehme ich natürlich nicht nur aus Nächstenliebe. Der Käufer hat mir für die Option 410 USD gezahlt. Mehr als das kann ich auch nicht verdienen, ich profitiere als Stillhalter nicht von positiven Kursbewegungen. 410 USD für 5.000 USD Risiko mag nicht nach einem guten Deal klingen, aber dazu muss man die Wahrscheinlichkeiten betrachten. Aktuell steht der NUGT bei 73,07 USD. Nochmal zur Erinnerung: Ich muss für 50 USD abkaufen. Der ETF muss also innerhalb von 1,5 Monaten rund ein Drittel seines Wertes verlieren, damit die Option für den Inhaber etwas wert wird ("ins Geld läuft"). Zudem dient mir die Prämie von 4,10 USD pro Anteilsschein als zusätzlicher Puffer. Erst ab 45,90 USD beginnt meine Verlustzone. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, wird von der Börse derzeit mit rund 15% bewertet.

    Der Chart
    NUGT-klein.jpg


    Am Chart sieht man, dass die 50er-Marke eine ganz gute Unterstützung bietet, jedoch keine Garantie. Ein Goldminenindex ist von Natur aus sehr volatil, daher ist auch die Prämie äußerst hoch, das Risiko nicht zu unterschätzen.

    Die Strategie

    Die Spekulation, denn um nichts anderes handelt es sich, sieht also für mich so aus: Ich weiß nicht, ob es steigt, ich weiß nicht, ob es fällt. Ich gehe nur davon aus, dass wir keinen rapiden Fall sehen werden. Es handelt sich somit um eine defensive Long-Position in Gold, denn ansteigende Kurse lassen die Option schneller wertlos werden. Nichtsdestotrotz kann die Prämie auch dann behalten werden, wenn der NUGT nicht unter 50 USD fällt. Es wäre also auch positiv, wenn gar nichts passiert.
    Da die Option keinen inneren Wert hat, besteht sie ausschließlich aus Zeitwert. Der Zeitwertverlust beträgt bei 44 Tagen und Zeitwert von 410 USD also im Schnitt annähernd 10 USD pro Tag. Mein Ziel ist, die Option bis zum Verfallstag zu halten, ich würde mich dann eben auch für 50 USD andienen lassen, falls nötig. Sollte der Wert der Option sehr schnell fallen (was für mich als Stillhalter ja gut wäre), würde ich mich für ein paar Dollar keinem wochenlangem Risiko mehr aussetzen. Sollte der Wert der Option im Laufe des Junis auf 80 USD fallen, kaufe ich sie dafür zurück und begrenze meinen Gewinn somit auf 330 USD. Sollte sich der Wert der Option verdoppeln, werde ich eingreifen und den Trade "reparieren". Bei Optionen gibt es dazu eine Vielzahl von Möglichkeiten. Was ich dann mache, hängt von Faktoren wie der Volatilität und der Restlaufzeit ab, das stelle ich dann hier anhand meines missglückten Trades vor.

    Zusammenfassung der Tradeparameter

    Underlying: NUGT
    akt. Kurs: 73,07 USD
    max. Profit: 410 USD (minus Kommission)
    max. Loss: 5.000 USD (plus Kommission)
    Gewinn/Risiko: 0,08
    Restlaufzeit: 44 Tage
    Probability of Profit (POP): 85%
    Probability of Touch (POT) 23% (die Wahrscheinlichkeit, dass die Schwelle zur Laufzeit berührt wird)

    (POP und POT werden mit stochastischen Modellen abgeschätzt)

    Risikohinweis

    Auch das hier ist natürlich keine Handelsempfehlung, da ich Erfahrung, Kapitalausstattung und Risikoneigung der Cashkurs-Community nicht einschätzen kann. Wer den Trade oder Teile davon für sich übernimmt, der trägt auch das Risiko selbst. Im Gegensatz zu vielen anderen Stillhalterstrategien ist das Risiko bei diesem Trade zwar im Umfang begrenzt, aber in der Wahrscheinlichkeit nicht unerheblich. Die Vorstellung des Trades dient der Illustration, die aktuelle Bewegung der Goldminen non-direktional, also nicht richtungsgebunden zu handeln, was vielleicht mal eine etwas andere Positionierung zeigt als die üblichen direktionalen Strategien mithilfe von Optionsscheinen oder Zertifikaten.

    Wer Fragen dazu hat, kann die natürlich gern stellen.

    Viele Grüße!
    Zuletzt geändert von realrise; 01.06.2016, 12:14. Grund: Chart neu eingefügt

  • #2
    Hallöchen RealRise,

    darf man fragen, über welchen Broker und welche Börse/CCE du den PUT gehandelt hast?

    Vielen Dank im voraus,

    LG CLGekko

    Kommentar


    • #3
      CLGekko

      Na klar, der PUT wurde über InteractiveBrokers an der CBOE gehandelt.

      Gestern habe ich die Position wieder geschlossen. Gold ist am Freitag nachmittag nach den US-Arbeitsmarktdaten um etwa 2,5% angestiegen, der NUGT von 76 USD auf 99 USD. Der 50er PUT ist dadurch natürlich eingebrochen, da der NUGT nun schon innerhalb von 6 Wochen 50% des Wertes verlieren müsste, um ins Geld zu laufen. Er stand zwar immer noch bei 120 USD (was für einen so weit entfernten Strike immer noch sehr hoch ist). Aus den 10 USD Zeitwert pro Tag sind aber somit nur noch 3 USD geworden. Mit einer so schnellen Bewegung habe ich natürlich auch nicht gerechnet, daher habe ich mein Kursziel von ursprünglich 80 USD angepasst. Vielleicht verkaufe ich heute einen 65er PUT mit der gleichen Strategie, um wieder auf ca. 10 USD/Tag zu kommen.

      Insgesamt betrug die Haltedauer jetzt gerade einmal sechs Tage, das Wochenende mitgerechnet. Ich möchte abschließend noch betonen, dass so ein Trade-Verlauf ziemlich untypisch ist, viele Optionsverkäufer vergleichen die Warterei eher mit "wie Farbe beim trocknen zuzusehen".

      Viele Grüße!

      Kommentar


      • #4
        realrise Vielen dank für die Antwort. Mir war IB als US Unternehmen immer Suspekt....da weiss man nie, was im ernstfall auf einen Zukommt, auch wenn sie eine Tocher in der EU gegründet haben.
        Tradest du dort über die Webseite oder über deren TradingDesk bzw. deren Software?

        ad. Trade: Ein feiner Trade muss ich sagen . Solche Chance kommen immer wieder mal im Jahr zwischendurch...und keiner sieht sie.
        Ich selbst hatte heuer auch schon grosse Erfolge mit Short-Puts auf VW, Aixtron (vor der Chinesenübernahme ), Wirecard usw.

        Wirecard finde ich am Markt nach wie vor noch verrückt. 10-12% Rendite auf den PUT für DEZ bei einem Abstand vom Strike von über 24%. Ich habe auch dort schon einen Short-Put offen.
        Meine Trading Rules verbieten aber die Positionsgröße zu erhöhen.

        Obacht für Mittwoch (GOLD wegen der FED Sitzung) und nächste Woche (ebenfalls GOLD wegen der Brexit Abstimmung)

        LG Gekko

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        • #5
          CLGekko
          Ich habe mir das mit IB auch eine ganze Weile überlegt, bin jedoch für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich dort keine schlechteren Voraussetzungen habe als bei einem europäischen Broker. Natürllich geht man immer Risiko ein, denn auch dieses Kapital ist ein Kredit. IB ist börsennotiert, muss also auch Bilanzen oder relevante Meldungen veröffentlichen. Zudem sind sie ziemlich rigoros gegenüber Tradern, die zu große Risiken eingehen, was ja auch die anderen Mitglieder schützt. Hier sind die USA meiner Meinung nach Europa sogar weit voraus. Wo hiwer die Schriftgrößen im Prospekt geprüft werden, muss man dort konkret seine Erfahrungen und Fähigkeiten angeben und stichprobenartig nachweisen.
          Darüberhinaus sind natürlich die US-Märkte gegenüber den europäischen um Längen liquider, was einen US-Broker ganz interessant macht.

          Als Handelsplattform nutze ich die Trader Workstation, also nichts browserbasiertes.

          Wieviel Angst (= Prämie) in den PUTs steckt, fasziniert mich immer wieder. Das Potential, mit Stillhaltergeschäften Geld zu verdienen, wird massiv unterschätzt. Daher trifft auch relativ viel Nachfrage auf wenig Angebot. Sich selbst absichern wollen fast alle, denn nur mit glatter Equitykurve kommt man für Pensionsfonds oder ähnlichem infrage. Die Risiken übernehmen möchte kaum jemand, deshalb sind die Aufschläge so hoch. Stillhalterfonds gibt's auch nicht, da verboten. Deshalb machen sehr gute Trader ihre 60-100% im Jahr - je volatiler, desto mehr. Denn letztendlich tut man nichts anderes als Volatilität verkaufen.

          Vielleicht haben wir bald mal wieder ein Szenario, in dem man mal konkret zeigen kann, wie man mit Optionen Volatilität handeln kann. Das ist der einzige "Free Lunch", den ich in der Finanzwelt je kennengelernt habe. Auch da gilt es ganz entscheidend, auf die Positionsgröße zu achten.

          Viele Grüße!

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