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  • Zeitwert bei Optionen

    Vor wenigen Tagen wurde auf Cashkurs eine Frage zum Zeitwert von Optionen gestellt:

    scm-paule am 21.11.2015 um 20:19 Uhr
    Hey liebe Community,
    eigentlich wollte ich direkt ins Forum schreiben und die Sache ein wenig anschieben,aber das war bei dem Thema hier leider nicht möglich.

    Ich hätte da mal eine Verständnisfrage und lasse mich da gerne berichtigen und hoffe auf ergänzende Erklärungen.
    Nach meinem Verständnis hat ein KO-Schein (Zertifikat?!)einen vorher festgelegten Preis und man kann das verbriefte Recht jederzeit wahrnehmen.Bedeutet zum aktuellen Preis verkaufen.Wird die KO-Schwelle nicht erreicht,wird spätestens am Ende der Laufzeit eine Summe entsprechend der aktuellen Wertstellung dem Verrechnungskonto gutgeschrieben.Aufgrund dieser leichten Funktionsweise wurde dieses Produkt ja auch immer von Herrn Müller zur Absicherung empfohlen.

    Dagegen wurde den Optionen immer eine höhere Komplexität nachgesagt.Sie hätten eine zeitliche Komponente,die schwieriger kalkulierbar wäre.In den Beschreibung von Herrn Mayer zu Futures und Optionen kann ich das aber nicht nachvollziehen.Letztlich scheinen die benötigten Summen höher zu sein,weil es immer um min 100Aktienwerte geht.Die Ausübung ist jedoch auch innerhalb eines festgelegten Zeitraums möglich,hingegen verfallen die Optionen folgenlos,wenn sie nicht ausgeübt werden.

    Irgendwie finde ich diese ,,zeitliche Komponente" nicht.Unter der Prämisse,dass man die Aktien der entsprechenden Optionen tatsächlich hält,scheint mir dieses Vehikel im Rahmen einer Absicherung irgendwie sinnvoller?
    Man ist nicht dem Risiko der KO-Schwelle ausgesetzt und kann ruhig schlafen.
    Stop loss werden nicht benötigt(bei KOs zur Absicherung gegen zu hohe Verluste),was weniger Stress bedeutet.Es muss nicht nachlegt werden,wenn das Depot nach dem stop ,,schutzlos" da steht.Den Negativaspekt kann ich nicht erkennen...

    Vielleicht kann sich ja hier nochmal jmd. meiner Unkenntnis zu den Optionen annehmen und mich mit ein wenig Praxiserfahrung erhellen.Das wäre lieb
    MfG Paule
    Optionspreise bestehen aus zwei Komponenten, dem inneren Wert und dem Zeitwert.

    Der innere Wert drückt den Vorteil aus, den die Option dem Inhaber bietet. Besitzt man eine Option, die dazu berechtigt, eine Aktie, die aktuell bei 50 Dollar steht, für nur 45 Dollar zu kaufen, so beträgt der innere Wert 5 Dollar, dies ist in dem Fall sozusagen der Rabatt, den man durch die Option bekommt. Daher kann der Preis einer Option nicht unter den inneren Wert fallen - theoretisch hschon, aber praktisch wird man das kaum finden.

    Gäbe es nur den inneren Wert, so wären alle Optionen wertlos, bei denen der innere Wert null beträgt. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn die Option dazu berechtigt, einen Basiswert von 50 Dollar für 55 Dollar zu kaufen. Natürlich kann aber während der Laufzeit noch viel passieren, daher haben auch diese Optionen einen Wert - den Zeitwert.

    Das verdeutlicht ein Blick auf Apple-Optionen, die ich mal willkürlich ausgewählt habe (Bild: siehe unten):



    Es handelt sich um drei Call-Optionen zur Apple-Aktie. Aktuell steht diese bei knapp über 119 Dollar, alle drei Optionen berechtigen zum Kauf für 130 Dollar, haben also keinen inneren Wert und sind fast 10% davon entfernt, "ins Geld" zu laufen. Allerdings haben alle sehr unterschiedliche Laufzeiten

    1. läuft noch bis zum 18. Dezember, also etwas mehr als drei Wochen
    2. läuft bis zum 17. Juni 2016, also rund ein halbes Jahr länger
    3. hat eine Laufzeit von 1 Jahr und 2 Monaten

    Während die kurzlaufende Option gerade mal 0,14 USD kostet, liegt die zweite bereits bei 4,60 USD und die zweite bei 9,00 USD. Das Delta zeigt, dass der kurzlaufenden Option gerade mal eine Wahrscheinlichkeit von knapp 5% eingeräumt wird, dass die Apple-Aktie zur Laufzeit noch über die 130 USD kommt. Bei den länger laufenden sind dies schon 34% und 42%.

    Das ist die angesprochene zeitliche Komponente bei Optionen


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    Zuletzt geändert von realrise; 24.11.2015, 15:18.

  • #2
    Hey realrise,
    danke erstmal für die Antwort und die Verweisung ins Forum.
    Mit dieser Argumentation hätte doch aber ein Put-Zertifikat letztlich auch diesen ,,zeitlichen" Wert. Der würde sich in diesem Falle immer auf die aktuellen Differenz zum Basispreis beziehen und hätte je nachdem ein positives oder negatives Vorzeichen?!Oder ist damit einfach die Situation an den Märkten gemeint (Stichwort:Volatilität) die einen Stillhalter natürlich dazu veranlasst,je nach Lage untersch. Gebühren zu nehmen?

    Welche Absicherungsstrategien bevorzugt ihr/du in der Praxis?Oder sind das eher Vehikel die ihr ganzjährig und in beide Richtungen interessant findet?Interessant fände ich auch Erfahrungswerte bezüglich der Finanzkrise 2008.Ist es kurz vor knapp überhaupt noch möglich fallende Kurse in Kapital zu verwandeln/bzw sich abzusichern?Letztlich droht den Emittenten doch dann auch erheblicher Schaden?

    Schönen Abend noch.Hoffen wir auf ein gütliche Einigung zwischen Russland und den Türken!
    MfG Paule

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    • #3
      Nein, wenn man das auf Zertifikate überträgt, haben KO-Zertifikate ausschließlich einen inneren Wert und keinen Zeitwert, das ist eben genau diese von Ihnen angesprochene Differenz von Kurs zum Basiswert. Würde es Zertifikate ohne inneren Wert geben, könnten Sie bspw. heute bei einem DAX-Stand von rund 11.000 ein Put-KO-Zertifikat mit Basispreis von sagen wir mal 10.500, also unter dem aktuellen Stand kaufen. Werden Sie aber nicht bekommen, da der Zertifikatpreis dann negativ wäre aufgrund des Preisberechnungsmodells. Deshalb liegt die klassische KO-Schwelle immer auf dem Basispreis oder sogar noch näher zum aktuellen Kurs, aber nie dahinter. Ansonsten ändert sich der Preis eines KO's überhaupt nicht, solange sich das Underlying nicht ändert. Bei den Apple-Optionen wäre das wie gezeigt ganz anders.

      Ich selbst habe verschiedene Absicherungsansätze, je nach Zeitraum (CFDs und Optionen). In heftigen Zeiten haben Optionen sicher Vorteile aufgrund des eigentlich nicht vorhandenen Emittentenrisikos. Ansonsten nehme ich bei Optionen fast ausschließlich die Seite des Stillhalters ein, in beide Richtungen, je nach Marktphase.

      Kommentar


      • #4
        Den Erläuterungen von realrise stimme ich i.W. zu, möchte aber noch ein zwei Anmerkungen ergänzen:

        Zitat von scm-paule
        Aufgrund dieser leichten Funktionsweise wurde dieses Produkt (Anm.: gemeint sind KO-Scheine) ja auch immer von Herrn Müller zur Absicherung empfohlen.
        Hier liegt offensichtlich ein Missverständnis vor - das Gegenteil ist sicherlich richtig. Ich erinnere mich nur an einen einzigen Fall, wo Herr Müller mal beiläufig zu verstehen gab, dass er in einem bestimmten konkreten Fall zur Absicherung einen KO-Schein gegenüber einer Option (bzw. Optionschein) bevorzuge. Er schreibt in seinem Buch Buch "Cashkurs" im Kapitel "Derivate" zum Thema "Produkt KO-Optionsschein" (Zitat): "Als Absicherungsprodukt für Sie als normaler Anleger halte ich es für völlig ungeeignet."

        realrise schreibt oben, dass er CFDs und Optionen nutzt. Diese Produkte mögen für ihn, den ich für einen hocherfahrenen Anleger, evtl. gar Profi, halte (meinen Respekt!), durchaus richtig und passend sein. Auch schreibt er lediglich, dass er selbst es so macht - und nicht, dass er diese Produkte "normalen" Privatanlegern empfiehlt. Vielleicht mag er dazu noch etwas Klarstellendes schreiben.
        Meine persönliche Sicht ist: Diese Produkte eignen sich keinesfalls für einen normalen, durchschnittlich erfahrenen Privatanleger, da hier teils größere Volumina im Spiel sind ("100er-Kontrakte"), teils Nachschusspflichten bestehen. Als "durchschnittlicher" Privatanleger kann man mit Optionsscheinen beginnen, bei genügend Erfahrung in Einzelfällen vielleicht auch mal einen KO-Schein in Erwägung ziehen. Natürlich nur dann, wenn man die Funktionsweise (insbesondere die Risiken) aller dieser Produkte generell und in jedem Einzelfall zu 100% (!) verstanden hat. Ich würde die Verwendung solcher Produkte mal als die "höhere Schule" des Privatanlegers bezeichnen wollen. Die Verwendung klassischer Optionen - also solche, die etwa an der EUREX gehandelt werden - sind dagegen "die Universität". Wer dennoch meint, klassische Optionen kämen für ihn in Frage, dem sei die auf den Webseiten der EUREX zu findende Online-Einführung in "Futures und Optionen" zum "Studium" anempfohlen.

        Kommentar


        • #5
          Ja, das ist auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. Ich hab das in Andreas Meyers Artikeln zu Optionen schon geschrieben, aber hier im Forum bleiben die Kommentare natürlich schöner gebündelt.

          Optionen sind ganz sicher nichts für denjenigen, der vor kurzem seine erste Aktie gekauft hat. Wer die griechischen Kennzahlen nicht nachts im Halbschlaf zusammenbringt, sollte noch ein wenig Theorie büffeln. Das ist durchaus machbar, man kann das lernen, hat aber im Falle von Optionen etwas Arbeit vor sich. Ich kenne aber ohnehin kein Finanzprodukt, dass ich blindlings jedem empfehlen würde, da halte ich mit Herrn Müllers "Nur machen, was man verstanden hat".
          CFDs sehe ich selbst durchaus kritisch, es gibt aber einen Fall, in dem sie (für mich zumindest) einen großen Vorteil haben - wenn es SEHR schnell gehen muss. Mit CFDs hab ich mein Depot abgesichert, bevor ich mir von irgendwelchen Optionsscheinen die WKN herausgesucht hab. Ansonsten mag ich KO-Zertifikate durchaus und habe sie lange verwendet, als mir Optionen auch noch ein Buch mit sieben Siegeln waren. Hinsichtlich der flexibleren Stückelung finde ich sie Optionen gegenüber sogar überlegen, man kann damit kleine Positionen absichern. Iich muss allerdings im Krisenfall bangen, dass die Bank, die sie mir verkauft hat, nicht in Schwierigkeiten kommt. Wer Optionen kauft, geht dieses Risiko nicht ein, außerdem ist das Risiko auf die Höhe der gezahlten Prämie begrent, Nachschusspflichten gibt es zumindest für die Käufer nicht, somit sind die Risiken für Optionsinhaber kalkulierbar. Dennoch, da stimme ich wolli absolut zu, muss man wissen, was man da macht.

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          • wolli_l
            wolli_l kommentierte
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            Vielen Dank für die rasche Ergänzung, der ich mich wiederum gerne anschließe. "ich muss allerdings im Krisenfall bangen, dass die Bank, die sie mir verkauft hat, nicht in Schwierigkeiten kommt." Ja, diese eklige "Kröte" muss man bei Optionscheinen - im Gegensatz zu Optionen - leider Schlucken. Zu Optionen: "Nachschusspflichten gibt es zumindest für die Käufer nicht" Stimmt natürlich. Wenn man sich ausführlich mit dem Thema "Optionen" beschäftigt, erfährt man das ja spätestens dann. Wichtig war/ist mir letzlich das, was Du sehr treffend mit "man kann das lernen, hat aber im Falle von Optionen etwas Arbeit vor sich" beschreibst. Nochmals besten Dank und viele Grüße, -wolli_l-

        • #6
          Hey Wolli,hey realrise,
          nein da liegt kein Missverständnis vor.Die Bücher habe ich auch gelesen und weiß,dass Herr Müller dort die Optionen als Instrument zur Absicherung favorisierte.

          Die wohl aktuellere Quelle ist aber wohl dieses Webinar vom Mai 2014 zur Depotabsicherung,indem er über eine Stunde den Einsatz von KO-Optionsscheinen beschreibt: http://www.cashkurs.com/kategorie/ak...otabsicherung/

          Das war letztlich auch der Grund,warum ich hier im Forum einfach nochmal nachfragen wollte.Habe das Video vor einer Weile gesehen und erinnerte mich dort an einen Satz,der den Zeitwert der Optionen betraf.Im Rahmen der Erläuterungen von Herrn Mayer trat diese Frage dann erneut auf.So entstand hier auch mein Beitrag.


          Ich denke es ist jetzt auch klar geworden.Letztlich ist der Zeitwert bei Optionen die Überlegung,dass die Nachfrage und somit der Preis für meine Option sinkt,wenn die Wahrscheinlichkeit sinkt,dass die Option noch ins Geld laufen kann.Also sukzessive je näher man dem Ablaufdatum kommt.

          Währenddessen ergibt sich bei einem KO-Zertifikat der Wert (innerer Wert) immer anhand des aktuellen Kurses (Index,Aktie was auch immer) und ist nicht davon abhängig,wie lange das Zertifikat noch läuft.So kann ja ein etwaiger Interessent selbst am letzten Tag noch von mir kaufen und zum Beispiel bei einem put Gewinne einfahren,wenn der Bezugsindex an diesem einen Tag doch nochmal sinkt,während ich zehn Tage in Folge verloren habe,weil der Index jeden Tag gestiegen ist?!

          Grüße
          Zuletzt geändert von scm-paule; 30.11.2015, 21:36.

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          • #7
            Zitat von scm-paule
            Die wohl aktuellere Quelle ist aber wohl dieses Webinar vom Mai 2014 zur Depotabsicherung,indem er über eine Stunde den Einsatz von KO-Optionsscheinen beschreibt: http://www.cashkurs.com/kategorie/ak...otabsicherung/

            Entschuldige bitte vielmals, wenn ich Dich (erneut) korrigiere. In diesem Webinar geht es um Absicherung mit "klassischen Optionsscheinen" - und eben nicht um KO-Scheine (= "Knockouts"). Bereits in der ersten Minute des Webinar-Mitschnitts stellt Herr Müller dies klar. Du magst Dich dazu bei weiteren Forenmitgliedern oder Herrn Müller selbst rückversichern. Viele Grüße, -wolli_l-

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            • scm-paule
              scm-paule kommentierte
              Kommentar bearbeiten
              Oh ja du hast Recht.Da bin ich im falschen Webinar gelandet...

              Das war der Beitrag auf den ich Bezug nehmen wollte.Verzeihung...
              http://www.cashkurs.com/kategorie/ak...cheinen-video/

              Das Neuere hatte ich noch gar nicht gesehen...Aber gut für mich ist das jetzt klar...

          • #8
            Stimmt, im Webinar vom April 2013 wurde definitiv über KO-Zertifikate abgesichert (ab Min. 20 etwa). Als Vorteil wurde glaube ich die geringere Anzahl von Einflussfaktoren auf den Preis genannt. Dem würde ich mich auch anschließen, schon oft haben sich Anleger gefragt, wieso der Index fällt und der Put-Optionsschein trotzdem abbaut

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